Pine Mayer arbeitet als Vor-Ort-Beraterin im KiFaZ-Programm und begleitet Einrichtungen bei ihrem Weiterentwicklungsprozess zum Kinder- und Familienzentrum. Im Interview erklärt sie unter anderem, wie eine Vor-Ort-Beratung abläuft, wann die Beratung wirkt und erzählt, was ihr besonders in Erinnerung bleibt.

Pine Mayer ist staatlich anerkannte Erzieherin und hat Bildungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung (B.A.) sowie Coaching und Supervision (M.A.) studiert. Seit 2024 arbeitet sie als Vor-Ort-Beraterin im KiFaZ-Programm und begleitet Einrichtungen bei ihrem Weiterentwicklungsprozess zum Kinder- und Familienzentrum.

Wie genau unterstützt du Einrichtungen, die sich für eine Vor-Ort-Beratung entschieden haben?

Ich begleite die Einrichtung direkt vor Ort und richte die Beratung an ihren konkreten Anliegen aus. Deshalb klären wir als Erstes, welche Bedarfe bestehen und welche Themen aktuell besonders relevant sind. Dabei geht es häufig um Rollen und Zuständigkeiten, aber auch um die Frage, welche nächsten Entwicklungsschritte sinnvoll sind.

Wir konzentrieren uns nicht darauf, was fehlt, sondern schauen, was wir haben und womit wir arbeiten können. Auf dieser Grundlage entwickeln wir gemeinsam Wege, wie die Weiterentwicklung der Einrichtung unterstützt und gestaltet werden kann.

Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen: Die Entwicklung zum KiFaZ betrifft nicht nur einzelne Arbeitsbereiche, sondern die gesamte Einrichtung. Sie bringt Veränderungen in vielen Strukturen, Abläufen und Haltungen mit sich. Deshalb unterstütze ich sowohl die Leitung als auch das Team dabei, diese Veränderungen zu reflektieren, gemeinsam zu gestalten und nachhaltig im Alltag zu verankern.

Denn letztlich ist die Entwicklung zum KiFaZ ein umfassender Transformationsprozess, der die gesamte Einrichtung betrifft und von allen Beteiligten mitgetragen werden muss.

Kannst du uns beschreiben, wie so eine Beratung typischerweise abläuft?

Ich spreche zunächst mit der Leitung. In diesem ersten Gespräch klären wir die Anliegen der Einrichtung. Wir schauen, ob die Zusammenarbeit für beide Seiten passt und wie die nächsten Schritte aussehen können.

Diese können dann ganz unterschiedlich sein. Oft arbeiten wir früh mit dem gesamten Team und gucken gemeinsam auf die Ausgangssituation der Einrichtung. Manchmal holen wir auch direkt die Familien dazu, je nachdem, wie weit die Einrichtung im Prozess ist.

Diese Bestands- und Bedarfsanalyse bildet die Grundlage für die weitere Entwicklung. Themen wie Haltung, Kommunikation und Transparenz ziehen sich dabei durch den gesamten Prozess und verbinden die verschiedenen Entwicklungsfelder miteinander.

Die zentrale Frage lautet dabei immer: Welchen Mehrwert hat die Entwicklung für die Kinder?

Mit welchen Themen kommen die Teams zu dir?

Wichtige Themen sind zum Beispiel Familienorientierung, Partizipation und Beteiligung von Familien und Kindern, die Öffnung in den Sozialraum und die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern und -partnerinnen.

Viele Einrichtungen stellen im Laufe des Prozesses fest, dass sie bereits mit zahlreichen Vereinen, Beratungsstellen und anderen Akteuren im Stadtteil zusammenarbeiten. Häufig geht es dann darum, diese vorhandenen Ressourcen sichtbar zu machen und bewusster zu nutzen.

Auch die Teamkultur und die gemeinsame Haltung sind zentrale Themen. Die Entwicklung zum KiFaZ ist keine einzelne Maßnahme, sondern ein umfassender Veränderungsprozess. Deshalb ist es wichtig, ein gemeinsames Verständnis davon zu entwickeln, was es eigentlich bedeutet, ein KiFaZ zu sein, und welche Haltung damit verbunden ist.

Gibt es auch Bedarfe, die Einrichtungen zunächst gar nicht benennen, die dann aber im Beratungsprozess sichtbar werden?

Ja, das kann natürlich auch sein. Deshalb drehen wir immer wieder Schleifen in der Zusammenarbeit und prüfen, ob uns vielleicht etwas hemmt oder ob wir den Blick noch auf etwas anderes legen oder fokussieren sollten. Manchmal müssen wir den Prozess auch entschleunigen oder einen Schritt zurückgehen. Das ist normal und gehört zu jeder guten Entwicklung dazu.

Wie profitieren die Einrichtungen von einer externen Beratung wie deiner?

Ich will es mal metaphorisch beschreiben: Ich bin wie ein Vogel, der die Einrichtung erst einmal umkreist. Dabei habe ich die Leitung auf dem Rücken, die mir sagt, welche Themen sie beschäftigt. Zugleich kommt mein neutraler Blick hinzu, der oft hilft, Ungesehenes zu entdecken – also Themen, die von der Einrichtungsseite nicht benannt werden, weil sie nicht bewusst sind oder nicht als Mehrwert gesehen werden.

Außerdem haben wir als externe Person eine andere Rolle als die Leitung und die Mitarbeitenden. Wir können Klarheit schaffen, Orientierung anbieten und Verbindlichkeit einfordern. Das hat zugleich den Mehrwert, dass sich die pädagogischen Fachkräfte auf ihre pädagogische Funktion und ihre Rolle fokussieren können.

Wie gehst du mit Widerständen oder Unsicherheiten um?

Widerstände und Unsicherheiten sind bei Veränderungsprozessen völlig normal. Ich würde sogar sagen, sie sind ein wichtiger Bestandteil davon. Widerstand hat immer eine Botschaft. Er zeigt, dass Menschen sich mit einer Veränderung auseinandersetzen, Fragen haben oder bestimmte Aspekte noch nicht mittragen können. Deshalb bewerte ich Widerstände nicht negativ, sondern nehme sie ernst und verstehe sie als wertvolle Hinweise im Prozess.

Für mich ist dabei wichtig, dass die Entwicklung immer ein gemeinsamer Prozess ist. Ich komme nicht in eine Einrichtung und sage: ‚Das läuft nicht gut, das müssen Sie jetzt alles verändern.‘ Im Gegenteil nehme ich mir viel Zeit, um Prozesse, Strukturen und Abläufe zu verstehen.

Als externe Person kann ich Beobachtungen und Impulse anbieten, die aus der täglichen Praxis heraus manchmal nicht so leicht sichtbar sind. Gleichzeitig sind diese Impulse aber immer ein Angebot. Wenn eine Einrichtung an einem bestimmten Punkt sagt: ‚Diesen Schritt können wir im Moment noch nicht mitgehen‘ oder ‚Dafür sind wir noch nicht bereit‘, dann ist das völlig in Ordnung.

Denn das Ziel ist nicht, möglichst schnell Veränderungen umzusetzen, sondern nachhaltige Entwicklungen anzustoßen. Und nachhaltig kann Veränderung nur dann sein, wenn sie von den Menschen in der Einrichtung getragen wird. Deshalb arbeite ich nicht mit einer Checkliste nach dem Motto: ‚Wenn Sie diese Punkte abhaken, sind Sie ein Kinder- und Familienzentrum.‘ Vielmehr geht es darum, gemeinsam einen Weg zu entwickeln, der zur jeweiligen Einrichtung passt.

Was braucht es, damit eine Beratung erfolgreich wird?

Damit eine Beratung erfolgreich wird, braucht es vor allem Offenheit und die Bereitschaft, sich auf Entwicklung einzulassen. Eine wichtige Grundlage ist dabei die innere Haltung. Es geht nicht nur darum, neue Konzepte kennenzulernen, sondern ein gemeinsames Verständnis von Familienorientierung zu entwickeln und dieses im Alltag tatsächlich zu leben.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Bereitschaft zur Reflexion. Das betrifft sowohl die eigene Haltung als auch Routinen, Arbeitsweisen und Themen, die vielleicht herausfordernd sind. Gerade in Veränderungsprozessen gibt es Momente, die unbequem werden können. Dann besteht oft die Versuchung, diese Fragen zu vermeiden. Hier braucht es Mut und den Willen, an diesen Themen dranzubleiben, genau hinzuschauen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Welche Begegnungen oder Erfahrungen sind dir besonders in Erinnerung geblieben?

Es sind eher Entwicklungen und Muster, die mir besonders in Erinnerung bleiben. Wenn sich beispielsweise anfängliche Skepsis in Zuversicht verwandelt.

Viele Teams starten mit der Sorge, dass die Entwicklung zum KiFaZ zusätzliche Arbeit und eine höhere Belastung mit sich bringt. Umso schöner ist es, wenn sie merken, dass es nicht darum geht, immer mehr zu tun, sondern die vorhandene Professionalität bewusster auszurichten, Stärken sichtbar zu machen und Strukturen klarer zu gestalten.

Schön ist auch, wenn Leitungen und Teams gemeinsam erkennen, wie viel Kraft in einer geteilten Haltung steckt und sich daraus eine gelebte Atmosphäre entwickelt, die wiederum Nährboden für gute und positive Beziehungen zu den Familien ist – und den Kindern die Möglichkeit gibt, sich zu entfalten.

Was würdest du einer Einrichtung raten, die gerade erst startet?

Wichtig ist, bei der Haltung zu beginnen. Das klingt zunächst abstrakt, weil Haltung nicht direkt sichtbar ist. Sichtbar werden meist erst die Auswirkungen. Anders als in Bereichen, in denen man mit Kennzahlen oder klar messbaren Ergebnissen arbeitet, zeigen sich Veränderungen in unserer Arbeit oft erst mit der Zeit. Gerade deshalb ist es so wichtig, hier die Grundlagen zu legen.

Außerdem sollte bei der Veränderung zum KiFaZ nicht Perfektion das Ziel sein. Entscheidend ist eine positive Wirkung auf das Team, die Familien und Kinder – und die entsteht auf dem Weg, Schritt für Schritt im Alltag.